Wahrheiten, die ich glaubte…

Stille Post

In der Fitnesswelt existieren viele Meinungen und Überzeugungen. Alle wollen natürlich ihre Meinungen vertreten, geben diese weiter und so entstehen durch Hörensagen auch Abwandlungen der ursprünglichen Nachricht.

Ich will zur Sache kommen.

In diesem Jahr sind viele Dinge, die ich als „wahr“ angenommen habe einfach gefallen. Sie stellten sich als „falsch“ heraus. Nicht, dass es sich darum um Lügen handelt. Ich möchte niemandem ans Bein pissen. Jedoch scheint es oft so, dass Dinge als alternativlos gelten, wenn sie denn bei 99% der Masse funktionieren. So nahm ich verschiedene Infos als unumstößlich an, da die Ergebnisse dafürsprachen. Die Tendenz stimmte. Jedoch musste ich innerhalb dieses Jahr feststellen, dass vieles nicht so gilt, wie ich es geglaubt hatte, dass es gilt.

„Wahrheiten“

Genug geredet! Kommen wir auf meine „Wahrheiten“, die ich glaubte und umsetzte. Kommen wir zu den Dingen, die mich möglicherweise davon abhielten schnellere Erfolge zu machen. Dinge, die ich offen gestanden auch weitergegeben habe. Ich denke bei vielen Maßnahmen herrscht einfach ein Placebo-Effekt. Jemand, von dem man ausgeht, dass er Ahnung hat erzählt dir etwas und du übernimmst es und zwingst dich im Prinzip dasselbe zu fühlen und so zu agieren wie er. Dabei wird oft kein Unterschied festgemacht.

Ich habe diese Liste in Ernährung, Training und Mindset aufgeteilt. Viele Angaben verschwimmen miteinander. Ich bitte also um Verständnis, wenn der ein oder andere diese und jene Info einer anderen Kategorie zuordnen würde.

Ernährung

1. Du musst frühstücken.

Ich glaube was dieses Thema angeht sind schon dutzende Artikel, Bücher geschrieben und Vorträge gehalten worden. Ich selbst habe einige Bücher gelesen und unzählige Vorträge in den letzten 10 Jahren besucht und gehalten.

Die meisten der Referenten und Autoren waren sich einig: Das Frühstück ist die Basis für einen energiereichen Tag. Also habe ich gefrühstückt.

So schnell wie es ging nach dem Aufstehen. Meist innerhalb der ersten Stunde danach, da ich davon ausging, der katabole Teufel in Form eines hohen Cortisolspiegels würde mich holen kommen, wenn ich es nicht tue. Ich wollte Energie und ich wollte auf jeden Fall meine Muskeln behalten. Immer und überall hört man, dass Cortisol in den Morgenstunden besonders hoch ist, der Peak des Tages und dass man es so schnell wie möglich reduzieren soll. Ich glaubte daran. Ich aß mein Frühstück selbst als es mir zum Hals raushing. Ich hatte echt keinen Bock zu essen. Seit ca. 2 Monaten tue ich das auch nicht mehr. Kein Frühstück. Es kommt ganz selten vor, dass ich mal vor 12 Uhr esse. Unterzuckerungen zwingen mich ab und zu mal ein paar Gummibärchen zu futtern, aber in der Regel nehme ich meine erste Mahlzeit 4-6 Stunden nach dem Aufstehen in Form eines Proteinshakes inkl. Ballaststoffen, Pflanzenextrakten und Vitaminen zu mir. Das Ergebnis? Kein Muskelabbau, kein Hunger und vor Allem kein Energieloch. Ganz im Gegenteil. Selbst während Trainingseinheiten in der Fastenphase bin ich konzentriert und habe übelste Power. Ich glaube meine körperliche Verfassung waren das ganze letzte Jahr nicht so gut. Meine Hautfalten bestätigen das. Es geht also auch ohne Frühstück.

(siehe die letzten drei Messungen; letzte Messung war der 3.9., nicht der 3.8.; Mea culpa)

2. Du brauchst einen Proteinshake nach dem Training.

Nach dem Training ist der Cortisolspiegel ebenfalls erhöht, deswegen muss man nach dem Training unbedingt Eiweiß zu sich nehmen um eine möglichst hohe Insulinreaktion auszulösen, die diesen senkt. Cortisol – wir erinnern uns – ist erhöht der katabole Teufel und frisst dir deine Muskeln weg, wenn du morgens nichts isst oder nach dem Training keinen Proteinshake trinkst. Über die Zufuhrempfehlungen gibt es mehrere Meinungen. Die reichen von 30g bis hin zu 1g pro kg Körpergewicht, teils sogar in Kombination mit Malto o.Ä..

Ich glaubte daran. Ich war fest davon überzeugt, wenn ich innerhalb von 30 Minuten keinen Shake trinke, meinen Erfolg auf der Strecke zu lassen. Dann war das Training umsonst. Dann hat es keinen Sinn gemacht. Dann mache ich keinen Fortschritt und mein Körper zersetzt sich. Hart ausgedrückt aber solche Szenarien liefen bei mir im Hirn ab. Unfassbar, aber für mich war es die Wahrheit.

Ich gab diese natürlich auch entsprechend weiter. Jeder den ich kenne muss einen Shake nah dem Training trinken. Jetzt habe ich teils bis zu einer Stunde, bis ich einen trinke. Ja ich gönne mir immer noch einen, aber mehr aus Gewohnheit und Genuss, nicht weil ich befürchte, dass doch irgendwas passieren könnte. Ich finde den Geschmack so geil, vor allem mit Milch, welche ich jetzt wieder trinke. Brutal, was ich die letzten Jahre alles verpasst habe. Ich bin halt doch nicht ganz frei mich davon zu lösen, muss ich ja auch nicht. Muskelabbau? Nada. Ich fühle mich besser denn je. Ich bleibe entspannt.

3. Iss so wenig Kohlenhydrate, wie möglich.

Oh man, wo soll ich da anfangen. Das mit den Kohlenhydraten ist ja so ne Sache. Machen die jetzt fett oder nicht? Aus Angst ich könnte zu viel futtern habe ich lieber gar keine gefuttert, dann wieder ein bisschen mehr, vor allem ne brutale Portion mit 100g Malto im Shake nach dem Training, da ist ja bekanntlich die Insulinsensibilität höher (je höher desto besser). Blutzuckeranstieg und Abfall im Verlauf einer Achterbahnfahrt waren das Resultat. Ich glaubte daran. Ich dachte das muss so sein. Ich bin schließlich seit ich mit Fitnesstraining begonnen habe mit dem Shaker und dem Malto im Anschluss ans Training groß geworden.

Kohlenhydrate waren nicht unbedingt der Feind, doch Freunde waren wir sicherlich nie.

Als fitnessorientierter Mensch hab ich geschaut man sich um wie viel Gramm Kohlenhydrate denn nun gut für mich sein sollen: 300-400g täglich war nach einigen Rechenbeispielen eine gute Orientierung. Niemals man. Viel zu viel. Es gibt einfach Zahlen, die sehen groß aus, die erschlagen einen, die können nicht stimmen.

Ich ignorierte die Vorgaben und aß nach meiner Meinung, bzw. nach der, die ich als meine Meinung akzeptiert hatte. Ich hatte Angst ich könnte zu viel essen. Ich wollte nicht fett werden. Schon wieder so ne Seifenblase, die einfach nicht platzen wollte. Es funktionierte ja trotzdem ganz gut.

Mittlerweile futter ich allerdings Carbs was das Zeug es hält und es tut mir echt gut. Es geht mir viel besser. Wann? Völlig egal. 300-400g pro Tag. Das sind ca. 4 Beutel Reis pro Tag (keine Sorge, ich esse nicht nur Reis). Wurde ich seitdem fett? Nein man, ich wurde brutal. Ich fühle mich wie eine Maschine, die alles essen kann was sie will. Ich kriege jedes Gewicht im Training bewegt und ich habe das Gefühl mehr Power als jemals zuvor zu haben. Mein Training nimmt mich jedes Mal auseinander, aber ich kann dennoch draufpacken. Ich habe Bock, ich bin geil drauf. Nichts ist geiler als sich ne fette Schüssel Müsli mit 1200 Kalorien und 150g Kohlenhydraten zu machen, die ich abends vor dem Fernseher wegputze. Das Beste ist allerdings, dass ich mir keinen Kopp mehr wegen der Mengen mache. Ich denke, dass dies bei sehr vielen ebenfalls eines der größten Problem darstellt, wenn es um das Erreichen körperlicher Ziel geht. Kurz: Wer abnehmen oder zunehmen will darf auch Kohlenhydrate futtern. Das tut gut und schränkt die Ernährung nicht so ein. Letzten Endes soll das Ganze ja auch noch Spaß machen.

4. Iss keinen Süßkram.

Kurz: Bullshit! Wenn du Bock auf Eis, Schokolade und Honigbrötchen hast, dann iss es. Es gibt Tage, da hat man einfach mal Bock drauf. Ich glaube ich kenne keinen einzigen Pumper (männlich und weiblich), der/die sich nicht gerne ein Ben & Jerries reinzieht. Schlechtes Gewissen? Nein man. Die wissen genau, dass es Ausnahmen sind und keine Regelmäßigkeit besitzt. Ich habe die letzten Tage so viel Apfelkuchen mit Eiscreme gefuttert, dass mir eigentlich schlecht werden sollte. Wird es aber nicht (zum Glück). Bedingt durch die eigene Obstwiese und die Apfelernte ist das jetzt mal so.

Es heißt ja auch man soll saisonal essen 😉

Ich tracke seit einigen Wochen wieder. So lange ich mein Kalorienziel erreiche esse ich einfach. Ich schaue, dass meine Makros und vor Allem meine Mikros passen. Das ist ein ganz großes Problem von „If it fits your macros“. Wenn ich den ganzen Tag nur Schweinekram futter kann ich mich nicht gut fühlen, dass geht nicht, selbst wenn ich meine Bilanz halte. Warum? Nicht aufgrund der Sachen, die ich esse, sondern aufgrund der Sachen, die ich nicht esse. Nährstoffe Baby. Die fehlen. Obst, Gemüse und so. Du kennst das ja. Ich kipp mir jeden Tag nen Vitaminshake rein um „on point“ zu bleiben. So lange ich weiß, dass ich genügen gutes Zeug in mich reinschütte, kann ich mir auch entsprechend „Schlechtes“ geben. Dabei schaue ich beim Tracken nicht jeden Tag danach meine Makroziele punktgenau zu erreichen, sondern dokumentiere nur. Das sind Tendenzen, die als Orientierung dienen. Am Ende der Woche rechne ich ab. Es gibt wie gesagt einfach Tage, da esse ich mal mehr und dann mal wieder weniger. So lange die Wochenbilanz stimmt ist alles ok und ich kann meinen Weg entspannt weiter gehen. Also ess mal wieder bedenkenlos Kuchen und Schokolade. Mach dir keinen Kopp.

Training

Ursprünglich sollte jetzt hier der Abschnitt „Training“ kommen. Allerding erschlägt mich bereits die Länge dieses Artikels weswegen ich beschlossen habe das Ganze aufzuteilen.

Training gibt’s also beim nächsten Mal. Gibt genug aus diesem Worten mitzunehmen.

Seht euer Vorhaben nicht so verbissen, macht euch keinen Stress, ist sowieso besser. Das hält Cortisol niedrig 😉

Bleibt entspannt, stark und lasst es einfach locker angehen.