Durchdachter und progressiver Kraftsport ist im Fußball so rar wie das Fleisch in einem BigMac, quasi nicht vorhanden.

Nicht nur die Anzahl an muskulären Verletzungen ist erschreckend, sondern vor Allem die Untätigkeit von Vereinen und Spieler geeignete Maßnahmen zu ergreifen um etwas dagegen zu tun. Jede Woche zieht sich ein neuer Spieler einen Muskelfaserriss zu. Jeder Zuschauer kennt das symptomatische Anfassen des hinteren Oberschenkels, welcher eine erneute Zwangspause für den jeweiligen Spieler bedeutet. Gestern erst wurde Marco Reus wieder einmal mit Verdacht auf Muskelfaserriss vom Spielfeld geholt. Insgesamt bringt er es innerhalb seiner Profikarriere zu insgesamt 454 Tagen Verletzung, 430 davon am Bewegungsapparat. Insgesamt sind es 95% muskuläre oder mechanische Ausfälle. Einfach nur brutal, ich will nicht wissen wie sich Marco Reus grade fühlt. (Quelle: www.transfermarkt.de/marco-reus/verletzungen/spieler/35207)

Standwaage und Unterarmstütz – Die Geißeln des deutschen Fußballs

Neulich sah ich Videoausschnitte eines Bundesligisten, welcher seine „geheimen“ Tipps zur Vorbereitung und Verletzungsprophylaxe in einem Kurzvideo demonstrierte. Die Standwaage und der Unterarmstütz wurden eingehend beleuchtet, da sie im Profifußball die Mittel der Wahl zu seien scheinen um Verletzungen vorzubeugen und optimal für den Spielalltag präpariert zu sein.

Das machte mich stutzig weswegen ich in Eigenrecherche auf der Seite des DFB nach nützlichen Infos bzgl. einer Verbesserung athletischer Fähigkeiten und Verletzungsfreiheit suchte. Was ich dort fand komplettierte das erste Bild nahtlos. Stütz- und Balanceübungen wurden eindeutig empfohlen um langfristig im Profifußball erfolgreich zu sein. Das Training der „kleinen“ Muskeln den sog. „Stabilisierungsmuskeln“ wurde eine komplette Seite gewidmet. Hinzu kamen einige Übungsbespiele für Stützvariationen.

Wenn der DFB die gezeigten Übungen entsprechend der Bilder ausführt, so ist es für mich keineswegs verwunderlich, dass mehr und mehr Verletzte die Bank schmücken und Kandidaten wie Marco Reus ständig einen auf den Sack kriegen. Verdrehte Wirbelsäulen, Gelenkfehlstellung usw. Darüber hinaus trainiert man bei einer derartigen Haltung weder Stabilität noch die kleinen Muskelgruppen, sondern lediglich die Fehlhaltung. Ein nützlicher Lern- bzw. Trainingseffekt bleibt hier leider aus.

Was getan werden kann

Um Trainingseffekte zu erzielen müssen Reize gesetzt werden, ohne Reiz keine Anpassung. Ich weiß nicht wie das minutenlange Halten von Stütz- und Balanceübungen in eine Spielsituation übertragbar ist, geschweige denn den Bewegungsapparat festigen soll. Im Aufbautraining haben die sicherlich ihre Berechtigung, aber nicht wenn es darum geht langfristig verletzungsfrei zu bleiben.

Einen simplen fußballspezifischen Reiz bietet zum Beispiel die tiefe Kniebeuge. Wie viele der Profi schaffen es wohl ihr doppeltes Körpergewicht zu „squatten“? Ich habe bis dato noch nicht einen Fußballer gesehen, der eine Kniebeuge mit Gewicht gemacht hat. Eine Trainingseinheit die Woche mit tiefer Kniebeuge mit Gewicht zu machen würde Welten bewegen. Sei es mit Langhantel oder Kettlebells, Hauptsache schwer. Folgend einige positive Wirkungen von tiefen Kniebeugen auf den Körper:

„Tiefe Kniebeugen sind erforderlich um:

 

  • das Weichgewebe im Unterkörper zu dehnen und die Flexibilität zu verbessern
  • Knorpelgesundheit in Hüfte, Knie und Sprunggelenk zu gewährleisten
  • die Sprunggelenksmobilität und damit die Kniegesundheit zu verbessern
  • den VMO zu trainieren und damit die Kniestabilität, Sprint- und Sprungleistung zu erhöhen

Die Knorpel in unseren Gelenken werden durch Druckbelastungen mit Nährstoffen versorgt, ähnlich wie ein Schwamm der sich vollsaugt, nachdem man ihn im Wasser zusammengedrückt hat. Finden solche Druckbelastungen in bestimmten Bewegungsabschnitten nicht statt, schwächt dies den Knorpel, macht ihn spröde und somit anfälliger für Verschleiß und Verletzungen.

Auch unsere Muskulatur wird nur in den Bereichen stark, in denen wir sie beanspruchen. Im Falle der Kniebeuge ist der Muskel, der in den ersten 90° Kniestreckung (also dem untersten Teil der Kniebeuge) am meisten aktiviert wird, der Musculus Vastus Medialis Obliquus (kurz: VMO). Dieser Muskel ist sehr wichtig für Sprint- und Sprungleistungen und mit entscheidend für die Kniestabilisierung:“

(hier geht’s zum kompletten Kniebeuge-Artikel: www.schmiedertrainer.de/kniebeugen-die-fakten)

Dies ist nur ein Beispiel um Verletzungen am Bewegungsapparat zu minimieren. Um langfristige Verletzungsfreiheit zu erreichen bedarf es mehr als Halteübungen. Die tiefe Kniebeuge ist ein großartiger Start in eine verletzungsfreie Zukunft.

Wenn ich dir oder jemandem den du kennst helfen soll die tiefe Kniebeuge in deinen Trainingsalltag zu etablieren oder du Fragen zu Technik, Ausführung sowie Progression hast schreib eine E-Mail an p@pats-athletiktraining.de.

Gemeinsam machen wir dich verletzungsfrei! Gemeinsam machen wir dich leistungsfähig!